Martina Christine Herrmann

Charakterisierung der Glutamat Decarboxylase-Antikörper beim Prädiabetes und manifesten Typ I Diabetes

Zusammenfassung

Einleitung:
Das vorrangige Ziel der Erforschung des Diabetes mellitus Typ I (insulin dependent diabetes mellitus, IDDM) besteht in der Prävention der progredient zelldestruktiven Autoimmunerkrankung. Dazu bedarf es einer möglichst frühzeitigen Prädiktion, für die insbesondere der Nachweis von spezifischen Antikörpern im Serum geeignet ist. In der vorliegenden Untersuchung wurde der Stellenwert von Glutamat Decarboxylase Antikörpern (GAD Ak) im Vergleich zu den bereits etablierten Markern Inselzellantikörper (ICA) und Insulinautoantikörper (IAA) evaluiert. GAD Ak sind gerichtet gegen ein Inselzellprotein mit einem Molekulargewicht von ca. 64 KD, das als Glutamat Decarboxylase identifiziert wurde.

Fragestellungen:
1.) Vergleich zweier verschiedener Methoden zur Bestimmung von GAD Ak (Immunpräzipitationsassay und Radioimmunoassay (RIA)). 2.) Korrelation der GAD Ak zu den bekannten Markern ICA und IAA. 3.) Einfluss von Alter, Geschlecht und Zeitverlauf auf die Marker. 4.) Evaluierung der einzelnen Marker und Markerkombinationen bei Prädiabetikern hinsichtlich deren Prädiktion des IDDM.

Untersuchte Population:
75 Personen, die mehrheitlich im Rahmen der prospektiven Familienstudie Giessen - Bad Oeynhausen klinisch kontrolliert und deren Seren in halbjährlichen Abständen gewonnen worden waren. Davon entwickelten 8 Personen während des Beobachtungszeitraums einen IDDM.

Ergebnisse:
1.) Die Korrelation zwischen den GAD Ak-Bestimmungen im Immunpräzipitationsassay und im RIA war hoch signifikant. Im Gegensatz zum Immunpräzipitationsassay eignet sich der RIA für Screeninguntersuchungen aufgrund seiner einfacheren Durchführbarkeit, der Verwendung von rekombinanter GAD, einer geringeren Radioaktivitätsmenge, sowie der Quantifizierbarkeit der Ergebnisse. 2.) Die Korrelation von GAD Ak zu ICA war hoch, zu IAA signifikant. 3.) Es bestand kein Zusammenhang zwischen Antikörper-Prävalenzraten und Alter oder Geschlecht. Weder ICA noch IAA konnten in sequentiellen Serumproben vor GAD Ak nachgewiesen werden. Hingegen wurden GAD Ak in 7,7 % (3/39) vor ICA und in 23,5 % (4/17) vor IAA gefunden. 4.) Bei den 8 Prädiabetikern betrug die Prävalenz von GAD AK, ICA und IAA jeweils 75 % (6/8). Mit zunehmendem Erkrankungsrisiko, definiert durch Kategorisierung nach klinischen Kriterien und ICA-Befund, ergab sich ein statistisch hoch signifikanter Zusammenhang zur GAD Ak- bzw. IAA-Positivität.

Zusammenfassung:
Aus den Ergebnissen ist abzuleiten, dass GAD Ak wertvolle serologische Marker für die Identifizierung der prädiabetischen Phase des IDDM darstellen, da sie teilweise als einzige Marker des Prädiabetes oder mehrere Jahre vor ICA und IAA nachgewiesen werden konnten. Sie könnten damit als Entscheidungshilfe für frühzeitige therapeutische Interventionen und damit der potentiellen Verhinderung des Ausbruchs der Erkrankung dienen.

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