Vergleich von zwei Vasektomiemethoden in Bezug auf den Erfolg einer anschließenden mikrochirurgischen Refertilisierung, untersucht am Tiermodell des New-Zealand-White-Rabbit
Zusammenfassung
Die freiwillige Sterilisation des Mannes mittels Vasektomie zur Schwangerschaftsverhütung stellt heute eine weit verbreitete Methode dar. Im Bedarfsfall besteht die Möglichkeit, durch Reanastomose der durchtrennten Samenleiter den Versuch einer Refertilisierung zu unternehmen. Zeugungsfähigkeit tritt nach Vasovasostomie in Abhängigkeit von der Dauer des Vasektomieintervalls, der Erfahrung des Operateurs sowie dem Auftrten von morphologischen, histologischen und immunologischen Veränderungen am Reproduktionstrakt mit variabler Wahrscheinlichkeit im Bereich von etwa 50 % bis über 70 % wieder ein.
Dabei scheinen die verschiedenen Veränderungen am Reproduktionstrakt zu einem großen Teil von der intraluminalen Druckerhöhung in Hoden, Nebenhoden und obstruiertem Samenleiterende bei fortgesetzter Spermiogenese auszugehen. Beobachtungen am Menschen und Untersuchungen an Tiermodellen ergaben Hinweise darauf, daß die Vermeidung intraluminaler Druckerhöhungen durch Bildung von Spermagranulomen die Häufigkeit von Veränderungen reduziert und mit höheren Schwangerschaftsraten verbunden ist.
In der vorliegenden Arbeit sollte die Frage geklärt werden, ob die open-end Vasektomie mit Nichtverschluß des hodennahen Samenleiterendes eine suffiziente Form der nicht obstruktiven Vasektomie darstellen kann, und ob dies zu einer meßbaren Verbesserung der Schwangerschaftsrate nach Vasovasostomie führt.
Dazu wurden 20 männliche Kaninchen mittels open-end Vasektomie und 20 weitere mittels Ligatur und Fulguration beider Samenleiterenden sterilisiert. Alle Tiere waren nachgewiesen fertil. Der Vasektomieerfolg wurde per Spermiogramm überprüft. Sechs Monate später fand eine mikrochirurgische Vasovasostomie statt. Durchgängigkeitsrate und Trächtigkeitsrate wurden durch Spermiogrammkontrolle und Anpaarung an fertile Häsinnen bestimmt.
Gemittelt über beide Gruppen ergaben sich der allgemeinen Literatur entsprechende Werte für Durchgängigkeitsrate (72,2 %) und Trächtigkeitsrate (39,5 %). Ein signifikanter Unterschied zwischen den Vasektomiemethoden im Hinblick auf die Erfolgsaussichten bei nachfolgender Vasovasostomie fand sich nicht.
Ausschlaggebend für dieses negative Ergebnis ist möglicherweise die Tatsache, daß es in dem von uns durchgeführten Modell auch bei open-end Vasektomie genauso häufig zu einer Stauung des hodennahen Samenleiterendes kam wie bei obstruktiver Vasektomie.
Kontakt: geb@bibsys.uni-giessen.de, 11.03.2003
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