Helmut Möller

Über die Niedertemperaturheteroepitaxie von kubischem Siliziumkarbid mit Methylsilan
 

Volltext des Dokuments: d990015.pdf (4,5 MB)

Zusatz zum Titel:
Beim Fachbereich Physik der Justus-Liebig-Universität eingereichte und genehmigte Dissertation zur Erlangung des Grades eines Doktors der Naturwissenschaften (Dr. rer. nat.)

Institut:
I. Physikalisches Institut der Justus-Liebig-Universität Gießen

Erscheinungsjahr:
1999

Abstract:
In der vorliegenden Arbeit wurde erstmalig ein Niedertemperatur-LPCVD Prozeß mit Methylsilan als "Precursor" Gas entwickelt, der hinsichtlich Kristallqualität und elektrischen Eigenschaften der hergestellten Siliziumkarbidschichten dem Stand der Technik entspricht. Aufgrund der um 160°C geringeren Prozeßtemperatur stellt dieser Prozeß eine Weiterentwicklung in der SiC Epitaxie dar.
Die SiC Qualität in Abhängigkeit der verwendeten Prozeßparameter und die Wachstumsvorgänge der Schicht wurden mit zahlreichen Charakterisierungsmethoden wie Röntgen, REM ,TEM, AFM, Hall, Raman und PDS systematisch untersucht. Zahlreiche Aspekte des Wachstums konnten geklärt werden.
Von grundlegender Bedeutung war die Entwicklung eines schnellen Karbonisierungs-schrittes mit einem Ethylen/Argon Gemisch, um mit diesem Niedertemperaturprozeß SiC mit hoher Qualität herzustellen. Die Karbonisierungsschicht ist kristallin, 7nm dünn und geschlossen und vermeidet vor allem im Siliziumsubstrat die sonst schon während der Karbonisierungsphase entstehenden Hohlräume.
Durch die Verwendung von SOI Substraten (Silizium auf Oxid) wurde unter Beibehaltung der guten SiC Qualität eine gute elektrische Isolierung zum Substrat selbst bei hohen Temperaturen erreicht. Die Leitfähigkeit über das Oxid beträgt nur 10-15 (Ohm cm)-1 bei Raumtemperatur und 8×10-12(Ohm cm)-1 bei 350°C. Die SiC Epitaxie beeinflußt die Isolierung nicht signifikant.
Das SOI System ermöglicht zugleich ein gutes kristallines Wachstum von SiC auf der sehr dünnen obersten Siliziumschicht, genannt SOL ( = Silicon Over Layer). Der Einfluß der Dicke des SOL auf die SiC Qualität wurde ausführlich untersucht: Bei einer SOL Dicke von mehr als 50nm ergibt sich in der Kristallqualität des SiC kein Unterschied zur Verwendung von Silizium als Substrat. Prinzipiell war das Wachstum von kubischem SiC auf nur 20nm dünnen SOLs möglich. Die Entstehung der Hohlräume (Voids) in der SOL Schicht wurde analysiert. Es zeigte sich, daß Hohlräume nicht während der Karbonisierungsphase sondern im frühen Stadium des SiC Wachstums entstehen. Eine sehr dünne SiC Schicht von weniger als 200nm Dicke reicht als Schutzschicht für das darunterliegende Silizium aus. Deshalb reduziert eine hohe SiC Wachstumsgeschwindigkeit die Hohlraumdichte. Diese Erkenntnisse haben zu einer Prozeßmodifikation geführt, die eine deutliche Reduktion der Hohlraumdichte um mehr als ein Drittel bei gleichbleibender Kristallqualität im Vergleich zu in dieser Arbeit unter Standardprozeßbedingungen hergestellten Schichten bewirkt hat.
Die elektrischen Eigenschaften von SiC wurden im Temperaturbereich von -150°C bis +450°C untersucht. Eine 2.3 Mikrometer dicke SiC Schicht zeigte bei Raumtemperatur eine intrinsische Ladungsträgerkonzentration von 4•1016cm-3 und eine Beweglichkeit von 143cm2/Vs. Ein In-situ Dotierungsverfahren mit Ammoniak wurde etabliert, um die Leitfähigkeit im Bereich von 0.9(Ohm cm)-1 bis 480(Ohm cm)-1 einstellen zu können. Die Kristallqualität der dotierten Schichten und die Dotierverschleppung wurden analysiert. Bis zu einer Leitfähigkeit von 193(Ohm cm)-1 ergab sich keine Verschlechterung der Kristallqualität des SiC.
Im Zusammenhang mit dem Abscheideprozeß wurde die Möglichkeit von selektivem Wachstum von SiC auf lateralen Si-SiO2 Strukturen entwickelt. Siliziumkarbid wächst oberhalb von 1150°C kristallin auf Silizium, während auf Siliziumdioxid überhaupt kein Wachstum festgestellt werden konnte. Substrate mit lateralen Si-SiO2 Strukturen ermöglichen daher ein flächenselektives Wachstum von SiC. Dies vereinfacht die Prozeßtechnologie für spätere Anwendungen wesentlich, da kritische und zeitaufwendige Prozeßschritte, wie z.B. das trockenchemische Ätzen entfallen.
Die gesamte Prozeßentwicklung wurde in einem Versuchsreaktor durchgeführt. Für die Herstellung von SiC auf 4 Zoll Substraten wurde ein neuer Reaktor aufgebaut. Erste vielversprechende Ergebnisse bezüglich der Funktionalität des Systems, z.B. Gasführung wurden erzielt, wie die laterale Homogenität von SiC beschichteten 4 Zoll Substraten zeigt. Zur Beschreibung der CVD Prozesse sowohl im Versuchsreaktor als auch in dem neu aufgebauten 4 Zoll Reaktor wurde das CVD Simulationsprogramm PHOENICS eingesetzt, um über die Strömungsmechanik und die Gaskonzentration die Abscheiderate zu ermitteln. Für die Berechnung der Abscheiderate wurde ein Modell, basierend auf dem Reactive Sticking Koeffizienten für das Prozeßgas Methylsilan eingesetzt, welches sich in beiden Reaktoren für alle Prozeßparameter als anwendbar erwies. Der Einfluß der Prozeßparameter (Temperatur, Gesamtdruck, Methylsilankonzentration) auf die Abscheiderate wurde untersucht. Eine sehr gute Übereinstimmung von Simulation und Experiment konnte festgestellt werden. Der Abscheideprozeß ist bei epitaktischem Wachstum transport- und nicht reaktionslimitiert.
Die Simulationsergebnisse ermöglichen eine Erhöhung der Reproduzierbarkeit und geben zuverlässige Informationen für die Konstruktion und Modifikation von LPCVD Reaktoren und für die Prozeßführung bei der SiC Herstellung.
Die Eignung des mit Methylsilan hergestellten SiC als Basismaterial für Sensoren wurde durch den Einsatz in Drucksensorchips demonstriert [Eic 98]M,[Zap 99]M.

Sprache:
deutsch

Dateiformat:
Portable Document Format (PDF)

Sachgruppe der DNB:
29 Physik

Eingabedatum:
12.07.1999

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