Einfluß der Surfactantapoproteine auf die Inkorporation pulmonalen Surfactants in eine Fibrinmatrix und die Fibrinolyse durch Plasmin
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Zusatz zum Titel:
Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Grades eines Doktors der Medizin des
Fachbereichs Humanmedizin der Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut:
Medizinisches Zentrum für Innere Medizin, Medizinische Klinik II, Justus-Liebig-Universität Gießen
Erscheinungsjahr:
1999
Abstract:
Störungen des pulmonalen Surfactantsystems spielen eine wichtige Rolle bei
zahlreichen pulmonalen Erkrankungsbildern, insbesondere auch beim akuten
Atemnotsyndrom des Erwachsenen (ARDS). Als bedeutenden Inhibitionsmechanismus
pulmonalen Surfactants betrachtet man beim ARDS die Inkorporation des Surfactant
in intraalveoläre Fibringerinnsel, die sich im Gefolge einer Exsudation von
Plasmaproteinen und einer gesteigerten prokoagulatorischen Aktivität des
alveolären Kompartiments bilden. Umgekehrt nimmt aber auch der pulmonale
Surfactant Einfluß auf die Fibrino(geno)lyse.
Vor diesem Hintergrund wurde in der vorliegenden Arbeit unter
in-vitro-Bedingungen untersucht, welchen Einfluß die Surfactantapoproteine auf
die Hemmung der plasmininduzierten Fibrinolyse durch pulmonalen Surfactant und
auf die Inkorporation pulmonalen Surfactants in eine Fibrinmatrix ausüben. Zur
Beantwortung dieser Fragestellung kamen vor allem ein
Mikrotiterplatten-basierender Fibrinolyse-Assay, wie auch ein Filterverfahren
zur Trennung unlöslicher Gerinnselkomponenten von löslichen Komponenten nach
vorheriger radioaktiver Markierung zur Anwendung. Untersucht wurden natürliche
Surfactantpräparationen oder synthetische Phospholipidgemische, denen isolierte
Surfactantapoproteine in steigenden Konzentrationen beigefügt wurden.
Zusammengefaßt ergaben sich hierbei folgende Befunde:
Alle untersuchten Surfactantlösungen, das synthetische apoproteinfreie
Phospholipidgemisch (PLX = DPPC:PG 7:3 wt/wt), der Kälberlungensurfactantextrakt
Alveofact, native "large surfactant aggregates" vom Kaninchen, wie auch die
organisch extrahierten Komponenten dieser "large surfactant aggregates", führten
nach Einbau in ein Fibringerinnsel zu einer dosisabhängigen Inhibition der
plasmininduzierten Fibrinolyse. Hierbei fiel auf, daß die Surfactantlösungen, die
ausschließlich Surfactantlipide (synthetisches apoproteinfreies
Phospholipidgemisch PLX) oder neben den Surfactantlipiden alle drei
Surfactantapoproteine SP-B, SP-C und auch SP-A (native "large surfactant
aggregates") enthalten, eine deutlich geringere inhibitorische Kapazität
besitzen als Surfactantlösungen, die neben Surfactantlipiden nur die hydrophoben
Apoproteine SP-B und SP-C enthalten (Kälberlungensurfactantextrakt Alveofact,
organischer Extrakt der "large surfactant aggregates"). Die daraufhin geäußerte
Vermutung, daß einerseits die hydrophoben Surfactantapoproteine SP-B und SP-C
die durch Surfactantphospholipide hervorgerufene Inhibition der
plasmininduzierten Fibrinolyse verstärken, andererseits das hydrophile
Surfactantapoprotein SP-A dieser Inhibition entgegensteht, bestätigte sich in
einem Versuch, in dem der Einfluß einzelner Surfactantapoproteine auf die
Fibrinolyseinhibition des synthetischen Phospholipidgemisches PLX untersucht
wurde. Während Zugabe von jeweils 1 % (wt/wt, bezogen auf Lipide) Kaninchen-SP-B
und -SP-C zum PLX die Freisetzung radioaktiv markierter Fibrinspaltprodukte von
ca. 17,5% (nur PLX) auf ca. 12 % weiter reduzierte, führte die Zugabe von 1 %
SP-A vom Kaninchen zu einer nahezu kompletten Antagonisierung der
Fibrinolysehemmung des PLX: im Vergleich zum Kontrollwert (ca. 37 % Freisetzung
in Abwesenheit jeglicher Surfactantkomponenten) wurden ca. 35 % radioaktiv
markierte Spaltprodukte ermittelt.
Als Ursache für diese unterschiedliche Modulation der durch
Surfactantphospholipide hervorgerufenen Inhibition der Fibrinolyse durch
Surfactantapoproteine ließ sich ein Einfluß der Surfactantapoproteine per se
auf die Fibrinbildung und die Fibrinolyse weitgehend ausschließen. Demgegenüber
zeigte sich, daß das hydrophobe Apoprotein SP-B dosisabhängig die Einbaurate
der Phospholipide in ein Fibringerinnsel deutlich verstärkt (bei 2 % SP-B wt/wt:
Verdopplung der PL-Einbaurate), während SP-C und SP-A die Einbaurate der
Phospholipide in ein Fibringerinnsel nicht wesentlich beeinflussen. Bei diesen
beiden Apoproteinen, zusätzlich auch beim SP-B, könnte jedoch die
unterschiedliche Beeinflussung der ultrastrukturellen Organisation der
Surfactantpräparationen durch SP-A (multilamelläre, große Vesikel) versus SP-B
und SP-C (Ausbildung kleiner, diskoidaler Partikel) den beobachteten Effekten
auf die Fibrinolysehemmung zu Grunde liegen.
Die hier gewonnenen Ergebnisse führen zu folgendem Fazit:
In Fibrin inkorporierte Phospholipide hemmen die plasmininduzierte Fibrinolyse
in vitro. Diese Inhibition wird durch die hydrophoben Apoproteine SP-B und SP-C
verstärkt, durch das hydrophile SP-A antagonisiert. Für SP-B läßt sich dies
zumindest partiell durch eine gesteigerte Inkorporation der Phospholipide in
das Fibringerinnsel erklären; für SP-A und SP-C, aber auch für das SP-B, könnte
vor allem eine Veränderung der ultrastrukturellen Eigenschaften der
Surfactantpräparationen durch die Apoproteine eine Rolle spielen.
Sprache:
deutsch
Dateiformat:
PostScript (gzip compressed)
Sachgruppe der DNB:
33 Medizin
Eingabedatum:
16.08.1999
Volltext des Dokuments: (1,1 MB)
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