Philipp Markart

Einfluß der Surfactantapoproteine auf die Inkorporation pulmonalen Surfactants in eine Fibrinmatrix und die Fibrinolyse durch Plasmin
 

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Zusatz zum Titel:
Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Grades eines Doktors der Medizin des Fachbereichs Humanmedizin der Justus-Liebig-Universität Gießen

Institut:
Medizinisches Zentrum für Innere Medizin, Medizinische Klinik II, Justus-Liebig-Universität Gießen

Erscheinungsjahr:
1999

Abstract:
Störungen des pulmonalen Surfactantsystems spielen eine wichtige Rolle bei zahlreichen pulmonalen Erkrankungsbildern, insbesondere auch beim akuten Atemnotsyndrom des Erwachsenen (ARDS). Als bedeutenden Inhibitionsmechanismus pulmonalen Surfactants betrachtet man beim ARDS die Inkorporation des Surfactant in intraalveoläre Fibringerinnsel, die sich im Gefolge einer Exsudation von Plasmaproteinen und einer gesteigerten prokoagulatorischen Aktivität des alveolären Kompartiments bilden. Umgekehrt nimmt aber auch der pulmonale Surfactant Einfluß auf die Fibrino(geno)lyse.
Vor diesem Hintergrund wurde in der vorliegenden Arbeit unter in-vitro-Bedingungen untersucht, welchen Einfluß die Surfactantapoproteine auf die Hemmung der plasmininduzierten Fibrinolyse durch pulmonalen Surfactant und auf die Inkorporation pulmonalen Surfactants in eine Fibrinmatrix ausüben. Zur Beantwortung dieser Fragestellung kamen vor allem ein Mikrotiterplatten-basierender Fibrinolyse-Assay, wie auch ein Filterverfahren zur Trennung unlöslicher Gerinnselkomponenten von löslichen Komponenten nach vorheriger radioaktiver Markierung zur Anwendung. Untersucht wurden natürliche Surfactantpräparationen oder synthetische Phospholipidgemische, denen isolierte Surfactantapoproteine in steigenden Konzentrationen beigefügt wurden.

Zusammengefaßt ergaben sich hierbei folgende Befunde: Alle untersuchten Surfactantlösungen, das synthetische apoproteinfreie Phospholipidgemisch (PLX = DPPC:PG 7:3 wt/wt), der Kälberlungensurfactantextrakt Alveofact, native "large surfactant aggregates" vom Kaninchen, wie auch die organisch extrahierten Komponenten dieser "large surfactant aggregates", führten nach Einbau in ein Fibringerinnsel zu einer dosisabhängigen Inhibition der plasmininduzierten Fibrinolyse. Hierbei fiel auf, daß die Surfactantlösungen, die ausschließlich Surfactantlipide (synthetisches apoproteinfreies Phospholipidgemisch PLX) oder neben den Surfactantlipiden alle drei Surfactantapoproteine SP-B, SP-C und auch SP-A (native "large surfactant aggregates") enthalten, eine deutlich geringere inhibitorische Kapazität besitzen als Surfactantlösungen, die neben Surfactantlipiden nur die hydrophoben Apoproteine SP-B und SP-C enthalten (Kälberlungensurfactantextrakt Alveofact, organischer Extrakt der "large surfactant aggregates"). Die daraufhin geäußerte Vermutung, daß einerseits die hydrophoben Surfactantapoproteine SP-B und SP-C die durch Surfactantphospholipide hervorgerufene Inhibition der plasmininduzierten Fibrinolyse verstärken, andererseits das hydrophile Surfactantapoprotein SP-A dieser Inhibition entgegensteht, bestätigte sich in einem Versuch, in dem der Einfluß einzelner Surfactantapoproteine auf die Fibrinolyseinhibition des synthetischen Phospholipidgemisches PLX untersucht wurde. Während Zugabe von jeweils 1 % (wt/wt, bezogen auf Lipide) Kaninchen-SP-B und -SP-C zum PLX die Freisetzung radioaktiv markierter Fibrinspaltprodukte von ca. 17,5% (nur PLX) auf ca. 12 % weiter reduzierte, führte die Zugabe von 1 % SP-A vom Kaninchen zu einer nahezu kompletten Antagonisierung der Fibrinolysehemmung des PLX: im Vergleich zum Kontrollwert (ca. 37 % Freisetzung in Abwesenheit jeglicher Surfactantkomponenten) wurden ca. 35 % radioaktiv markierte Spaltprodukte ermittelt.
Als Ursache für diese unterschiedliche Modulation der durch Surfactantphospholipide hervorgerufenen Inhibition der Fibrinolyse durch Surfactantapoproteine ließ sich ein Einfluß der Surfactantapoproteine per se auf die Fibrinbildung und die Fibrinolyse weitgehend ausschließen. Demgegenüber zeigte sich, daß das hydrophobe Apoprotein SP-B dosisabhängig die Einbaurate der Phospholipide in ein Fibringerinnsel deutlich verstärkt (bei 2 % SP-B wt/wt: Verdopplung der PL-Einbaurate), während SP-C und SP-A die Einbaurate der Phospholipide in ein Fibringerinnsel nicht wesentlich beeinflussen. Bei diesen beiden Apoproteinen, zusätzlich auch beim SP-B, könnte jedoch die unterschiedliche Beeinflussung der ultrastrukturellen Organisation der Surfactantpräparationen durch SP-A (multilamelläre, große Vesikel) versus SP-B und SP-C (Ausbildung kleiner, diskoidaler Partikel) den beobachteten Effekten auf die Fibrinolysehemmung zu Grunde liegen.

Die hier gewonnenen Ergebnisse führen zu folgendem Fazit:
In Fibrin inkorporierte Phospholipide hemmen die plasmininduzierte Fibrinolyse in vitro. Diese Inhibition wird durch die hydrophoben Apoproteine SP-B und SP-C verstärkt, durch das hydrophile SP-A antagonisiert. Für SP-B läßt sich dies zumindest partiell durch eine gesteigerte Inkorporation der Phospholipide in das Fibringerinnsel erklären; für SP-A und SP-C, aber auch für das SP-B, könnte vor allem eine Veränderung der ultrastrukturellen Eigenschaften der Surfactantpräparationen durch die Apoproteine eine Rolle spielen.

Sprache:
deutsch

Dateiformat:
PostScript (gzip compressed)

Sachgruppe der DNB:
33 Medizin

Eingabedatum:
16.08.1999

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