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Yambohne, Yam bean (Pachyr(r)hizus spec.)

Biologie - Geschichte und Verbreitung - Nutzung und Verwertung - Weitere Informationen - Literatur - Bildlegenden

Der Genus Pachyr(r)hizus (es gibt eine unterschiedliche Schreibweise) umfaßt nach neuen Untersuchungen 6 perennierende Arten mit dreigeteilten Fiederblättern und zu Knollen verdickten Wurzeln. Sie entstammen allen tropischen Regionen Amerikas; die wichtigsten Kulturformen sind jetzt aber auch in Asien und Afrika weit verbreitet. Von wirtschaftlicher Bedeutung für die indianische Bevölkerung in Amerika sind P. erosus und P. tuberosus wegen ihrer eßbaren Knollen und Samen. P. ahipa hat ebenfalls rübenförmige Knollen. Der Chromosomensatz ist bei allen drei Arten 2n = 22.

Biologie

a) Pachyr(r)hizus erosus [L.] Urban [= P. angulatus Rich. ex DC., = P. bulbosus (L.) Kurz, = Dolichos erosus L.]

wird im Deutschen mit Yambohne oder Knollenbohne, im Englischen mit Yam bean oder Manioc pea bezeichnet. Es handelt sich um eine ausdauernde Schlingpflanze, die bis zu 5 m lange Triebe entwickeln kann. Die Triebe sind rauh behaart. Die dreizähligen Blätter stehen auf einem langen Stiel. Die Seitenblätter sind fast ebenso groß wie das Mittelblatt. Alle Blätter sind rhombisch, breit, gezähnt oder gelappt. Die Blattlänge beträgt 18 bis 20 cm, die Breite 20 bis 22 cm. Die traubenförmigen Blütenstände mit 1 bis 5 Blüten hängen oder stehen aufrecht und können bis zu 70 cm lang werden. Die Blütenfarbe ist weiß, blauviolett oder korallenrot. Nur wenige Blüten entwickeln sich zu Früchten. Diese sind linear länglich, dicht behaart und 8 bis 14 cm lang. Die Hülsen enthalten ca. 5 bis 10 quadratische Samen, welche einen Durchmesser von 5 bis 11 mm haben, und flach sind. Die Samenfarbe variiert von gelb über braun bis rot. Das Tausendkorngewicht liegt zwischen 180 und 250 g. Die Kornerträge betragen 5 bis 6 dt/ha.

Der Wurzelhals ist turnipartig verdickt mit einem Durchmesser bis zu 40 cm und einem Gewicht von 5 bis 15 kg. Die Farbe der Wurzel ist braun mit weißem Fleisch. Anfangs ist die Knolle wäßrig, später wird sie faserig und hat bis zu 78 % Trockenmasse. Der Knollenertrag schwankt zwischen 70 und 100 dt/ha.

b) Pachyr(r)hizus tuberosus [Lam.] Spreng [= Dolichos tuberosus Lam., = Cucara tuberosa (Lam.) Britt.].

Die deutschen Bezeichnungen sind Knollenbohne oder Yambohne, die englische ist Potato bean. Es ist eine Kletterpflanze mit bis zu 7 m langen Trieben, die lianenförmig an Bäumen und Stangen hinaufwachsen können. Die dreigeteilten Blätter bestehen aus einem rhombenförmigen Terminalblatt und asymmetrischen Seitenfiedern mit einer Länge von ca. 28 cm und einer Breite von ca. 26 cm. Die traubenartigen Blütenstände sind vielblütig mit 2 bis 5 Einzelblüten und stehen am oberen Ende eines langen Fruchtstiels. Die Blütenfarbe ist meist violett, selten weiß. Die Hülsenlänge kann von 4 bis 30 cm schwanken; die Breite beträgt etwa 2 cm. Zur Reife sind die Hülsen rötlich behaart. Die Samen sind nierenförmig, 10 bis 14 mm lang und ihre Farbe variiert stark von schwarz, schwarz-weiß gesprenkelt, oder rot bis orange. Die Kornerträge lagen im Versuchsanbau bei 6 dt/ha.

Die Wurzeln können sich auf entsprechenden Standorten stark verdicken und große Knollen mit einem Gewicht von 3 bis 4 kg entwickeln. Sie können 50 bis 60 cm lang und bis zu 30 cm dick werden. Die Hektarerträge werden mit 70 bis 100 dt angegeben.

c) Pachyr(r)hizus ahipa [Wed.] Parodi.

Sie wird ebenfalls als Yam bean oder im Deutschen als Andine Knollenbohne bezeichnet. Im Unterschied zu den bisher beschriebenen Arten ist diese Spezies an tropische Mittelgebirgslagen mit mäßigen Temperaturen angepaßt und ist in Höhenlagen von 1.000 bis über 2.500 m über NN zu finden. Der Habitus der Andinen Knollenbohne ist gedrungener und nichtkletternd; sie wird nur 1 bis 2 m hoch. Die dreizähligen Blätter haben extrem asymmetrische Seitenblätter und Terminalblätter, die breiter als lang sind. Die Blütenstände sind kurz, etwa 4 cm, und enthalten nur wenige Blüten von weißer oder violetter Farbe. Die Hülsen sind ca. 8 bis 11 cm lang. Sie enthalten rundliche Samen von 1 cm Durchmesser und braun-schwarzer Farbe. Die Pflanzen entwickeln kleinere, regelmäßig geformte Knollen mit gelber Schale und weißem, faserdurchzogenem Fleisch. Das Gewicht der einzelnen Knollen schwankt zwischen 500 und 800 g.

Über die Ertragsleistung ist in der Literatur wenig bekannt. Meist werden nur Knollenerträge angegeben, sie liegen im Feldanbau bei 100 bis 200 dt/ha; das Ertragspotential ist aber wesentlich höher.

Über die Inhaltsstoffe der Knollen von Pachyr(r)hizus-Arten ist wenig bekannt. Folgende Angaben sind zu finden: der Kalorienwert beträgt 359 cal oder 1525 Joule je 100 g und der Nährstoffgehalt in der Trockenmasse liegt bei 9,5 % Rohprotein, 0,5 % Rohfett, 81,4 % Kohlehydrate, 3,6 % Rohfaser, 3,5 % Asche. Die Kohlenhydrate bestehen zu 53,7 % aus Stärke, 11,7 % reduziertem und 16,7 % nicht reduziertem Zucker.

Weiter liegen Angaben über Vitamin- und Aminosäuregehalte vor: Vitamin C 0,02 mg, Thiamin 0,05 mg, Riboflavin 0,02 mg, Niacin 0,2 mg je 100 g Trockenmasse. Die Gehalte an Stärke und an den löslichen Zuckern Glucose und Fructose sind wechselseitig abhängig von der Blüten- und Samenentwicklung. Soll die Knollenproduktion gefördert werden, ist es ratsam, frühzeitig die Blüten zu entfernen. Die Induktion der Blüten und Knollen ist zudem abhängig von der Tageslänge; zur Ausbildung sind mehr als 12 Stunden notwendig.

Die Samen enthalten etwa 31,2 % Rohprotein und 32,5 % Öl ähnlicher Qualität wie bei Baumwollsamen sowie 23,8 % Kohlehydrate, 8,3 % Rohfaser und 4,2 % Asche. Außerdem wird von Inhaltsstoffen mit fischtoxischer oder insektizider Wirkung gesprochen; sie sollen in grünen Hülsen höher sein als in reifen.

Die insektizide Substanz wird allgemein mit Rotenone angegeben. Neuere Untersuchungen zeigen aber, daß es sich um ca. 10 Substanzen handelt. Es sind Isoflavone, Isoflavanone, mehrere Rotenoide sowie Furano-3-phenyl-Kumarin.

Die Fischtoxizität geht offensichtlich von Saponinen aus. Die Konzentration dieser Stoffe wird scheinbar stark durch geographische und klimatische Einflüsse sowie den Reifegrad der Früchte variiert.

Geschichte und Verbreitung

Die Pachyr(r)hizus-Spezies sind in Mittel- und Südamerika beheimatet und stellen alte indianische Kulturpflanzen dar. Die Spezies P. ahipa gehört, wie bereits gesagt, in die tropischen Mittelgebirgslagen, während P. erosus und P. tuberosus dem tropischen Tiefland entstammen. Die Yambohnen sind jedoch jetzt in vielen tropischen Ländern anzutreffen.

P. ahipa ist als alte Inkakultur belegt, sie wird aber gegenwärtig nur noch wenig angebaut.

P. erosus ist in Mexiko beheimatet. Sie konnte in Afrika und vor allem in Asien Fuß fassen. Aus den Wurzeln wird in Asien ein Stärkemehl hergestellt, welches unter der Bezeichnung "falsche Arrowroot" in den Handel kommt. Die Chinesen bereiten von altersher Spezialgerichte aus der Wurzel, weswegen der Eindruck entstand, die Pflanze könnte dort beheimatet sein.

Alle drei Arten gedeihen gut im tropischen Klima mit Tagesdurchschnittstemperaturen von 21 bis 27,5°C und Niederschlägen von (600), 1.5000 bis 3.000 mm. Wichtig für die Frucht- und Knollenbildung ist ein tropischer Kurztag.

P. tuberosus war lange Zeit in den Feldern der indianischen Bevölkerung im nördlichen Südamerika weit verbreitet, wird aber durch P. erosus zurückgedrängt. Über den Anbauumfang ist aus der Statistik kaum etwas Zuverlässiges bekannt. Auch sind nach SØRENSEN et al. in Lateinamerika noch keine Ertragsversuche durchgeführt worden.

Obwohl die Knollenbohnen perennierende Gewächse sind, werden die Knollen jährlich geerntet, so daß in jedem Jahr Neuansaat erforderlich wird. Sie erfolgt über Samen (20 bis 50 kg/ha) oder durch Knollenteile. Häufig wird eine Horstsaat mit 3 bis 4 Samen je Pflanzstelle auf Dämmen, mit einer späteren Ausdünnung auf 1 bis 2 Pflanzen durchgeführt. Die Reihenentfernung schwankt zwischen 60 und 75 cm mit 30 bis 40 cm Abstand in der Reihe. Oft werden Gerüste gebaut, an denen die Pflanzen hochranken können. Dadurch erhöht sich der Ertrag. Traditionell werden nach einer gewissen Entwicklungszeit zur Förderung des Wachstums, der Süße und der Qualität der Knollen die Pflanzen geköpft und Blüten entfernt.

Je nach Klima können die Knollen nach (3) bis 5 bis 8 Monaten, die Samen aber erst nach etwa 10 Monaten geerntet werden. Die Ernte der Knollen erfolgt nach Bedarf entweder mit der Hacke oder dem Pflug. Die Knollen können auch gelagert werden, wobei eine Temperatur von 15° C als optimal gilt. Höhere Temperaturen führen zu hohen Atmungsverlusten, zu tiefe Temperaturen verändern die Konsistenz so stark, daß die Knollen als ungenießbar abgelehnt werden.

Lehmböden von pH 5,0 bis 6,8 mit guter Dränage oder einer Dammaufschüttung eignen sich am besten für den Anbau. Bei Gefahr von Staunässe werden leichte Böden bevorzugt.

Wichtig für die Entwicklung der Pflanzen ist das Vorhandensein der entsprechenden Rhizobiumstämme. Werden höhere Erträge angestrebt, wird zunächst organisch gedüngt. Im Intensivanbau spricht man von einer Mineraldüngung zur Aussaat von 35 bis 50 kg/ha N, 70 bis 100 kg/ha P2O5 und 35 bis 50 kg/ha K2O und einer Nachdüngung mit etwa 40 kg N/ha.

Nutzung und Verwertung

Bei allen drei Arten werden auch Samen und Hülsen, aber vornehmlich die Knollen gewonnen. Im jungen Zustand sind die Knollen wäßrig und schmecken süß. Die sehr wohlschmeckenden Knollen werden zu Salaten oder zu Gemüse in Scheiben geschnitten. Reife, stärkereiche Knollen werden wie Süßkartoffeln oder Kartoffeln zubereitet. Ferner kann Stärke gewonnen werden, die der von Pfeilwurz ähnelt. Hülsen und Samen werden nur mit Einschränkungen gegessen. Die Hülsen von P. tuberosus sind mit Haaren überzogen, weswegen sie abgelehnt werden; die Samen sollen leicht giftig sein. Bei P. erosus sollen die Samen das bereits angesprochene Rotenon enthalten und deshalb ungenießbar sein. Oft wird auch in speziellen Anlagen aus Hülsen und Samen Rotenon gewonnen. BRÜCHER bescheinigt den jungen Hülsen und Samen aber einen ausgezeichneten Geschmack und eine gute Bekömmlichkeit.

Nach alten Berichten gilt bei den Indianern P. tuberosus als Medizinalpflanze. Wie bereits erwähnt, können auch Extrakte mit fischtoxischer und insektizider Wirkung gewonnen werden. In Java wendet man Puder aus Samen gegen Hitzepickel an. 1 1/2 Samen sollen laxierend wirken, größere Mengen wirken aber toxisch, auch als Wurmmittel sollen Samen gut wirken.

Alle Arten sind Selbstbefruchter und stellen nach einer mehrjährigen Selektion einheitliche Populationen dar. Erst in neuester Zeit sind weitergehende Züchtungsarbeiten in Angriff genommen worden. Durch Selektionszüchtung konnte z.B. in Mexiko das Ertragspotential verdoppelt werden. Inzwischen werden auch Kreuzungsprogramme durchgeführt. Hierbei muß natürlich vorher entschieden werden, ob eine Knollen- oder eine Doppelnutzung von Knollen und Samen erfolgen soll. Da der Chromosomensatz 2n = 22 bei allen Spezies gleich ist, werden zur Erhöhung des Genpotentials auch Artkreuzungen durchgeführt.

Weitere Informationen zur Art

Systematik - Unterfamilie Papilionoideae

Bestimmungsschlüssel für die Blätter wichtiger Leguminosae

Äußere Merkmale der zur Kornnutzung geeigneten Gattungen

Tabelle 1: Nährstoffgehalte der Samen von Körnerleguminosen in % (Mittelwerte)

Roheiweißproduktion der wichtigsten Nahrungspflanzen.

Literatur

BRÜCHER, H., 1977: Tropische Nutzpflanzen - Ursprung, Evolution und Domestikation. 193-186. Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York.

DUKE, J.A., 1981: Handbook of legumes of world economic importance. 182-185. Plenum Press, New York & London.

ENGLER, A. & K. PRANTL, 1891: Leguminosae. In: Die natürlichen Pflanzenfamilien nebst ihren Gattungen und wichtigeren Arten, insbesondere den Nutzpflanzen. III. Teil. 2. Abt. Verlag Wilhelm Engelmann, Leipzig.

FRANKE, W., 1989: Nutzpflanzenkunde. Nutzbare Gewächse der gemäßigten Breiten, Subtropen und Tropen. 4. Aufl. Verlag Thieme, Stuttgart, New York.

PURSLEGLOVE, J.W., 1968: Tropical crops, Dicotyledones 1, 281-284. Longmans, Green and Co Ltd. London and Harlow.

SØRENSEN, M., M. GRUM, R.E. PAUL, V. VAILLANT, A. VENTHOU-DUMAINE & C. ZINSOU, 1993: Yam bean (Pachyrhizus species). In: WILLIAMS: Pulses and Vegetables. 59-99. Chapman and Hall, London.

Bildlegenden

a) Yambohne (Pachyr(r)hizus erosus [L.] Urban)

Pachyrrhizus erosus Urban, oder P. bulbosus Kurz, ist eine ausdauernde Schlingpflanze mit bis zu 5 m
langen, rauh behaarten Trieben mit langgestielten Laubblättern mit drei breiten, gelappten und gezähnten
Blättchen, von 18 bis 20 cm Länge und 20 bis 22 cm Breite.

Die traubenförmigen Blütenstände sind oft gebogenen.

Sie bestehen aus 2 bis 5 locker verteilten Blüten.

Die Farbe der Blüten ist blau, violett bis korallenrot und selten weiß.

Nur wenige der zahlreichen Blüten entwickeln sich zu Früchten. Diese sind länglich lineal, 8 bis 14 cm lang
und behaart.

Je Hülse werden 5 bis 10 quadratische, etwas abgerundete Samen mit Tausendkorngewichten von 180 bis
250 g gebildet.

 b) Knollenbohne (Pachyr(r)hizus tuberosus [Lam.] Spreng)

Die deutsche Bezeichnung ist Knollenbohne, im englischen hießt sie Potato bean. Sie stammt wie die
übrigen Pachyr(r)hizus-Arten aus den tropischen Gebieten Amerikas. Kulturformen sind heute auch in
Asien und Afrika verbreitet. Die langgestielten Laubblätter haben dreiteilige, große Blättchen, von denen
das mittlere rhombisch und die beiden Seitenfieder asymmetrisch lanzettlich sind.

Pachyr(r)hicus tuberosus ist wie P. erosus eine mehrjährige Kletterpflanze mit bis zu 7 m langen Trieben,
die lianenähnlich an Bäumen und Stangen hochwachsen können.

Die traubigen, vielblütigen Blütenstände stehen am oberen Ende eines langen Fruchtstieles. Die
Blütenfarbe ist meist rötlich violett oder auch blau violett.

Die Einzelblüte ist relativ groß, die Fahne oval und das waagrecht stehende Schiffchen häufig zweigeteilt.

Die flachen Hülsen sind 4 bis 30 cm lang und etwa 2 cm breit.

Die Wurzelknollen können auf günstigen Standorten 3 bis 4 kg schwer werden. Ihr Nährwert mit 80 %
Kohlehydraten (52 % Stärke und 30 % Zucker) ist beachtlich hoch.

Die Samen sind nierenförmig, 10 bis 14 mm lang und ihre Farbe variiert von schwarz, schwarz mit heller
Sprenkelung oder rot bis orange.
 

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